Die Vision leben

Das ist der Monatsspruch für Juli aus Amos 5,24. Amos malt ein Bild. Eine Vision von ei- nem Leben, das ich mir wünsche. Recht und Gerechtigkeit, uneingeschränkt. Das wäre es.

Ein Beispiel: Mein Enkelkind darf sich entfalten. Seine Gaben werden gefördert in der Kita und später in der Schule. Er lernt die Demokratie zu schätzen. Kann frei seine Meinung äußern. Lernt Gastfreundschaft und Empathie. Lebt mit einem klaren Kompass. Ausgrenzung von Menschen mit anderer Meinung, mit anderer Hautfarbe, mit anderer sexueller Orientierung gibt es nicht. Es besteht kein Grund, Vielfalt zu bekämpfen. Es geht nicht um das Recht des Stärkeren, sondern ums Netzwerken. Es geht darum, Verbindungen zu schaffen und Verbundenheit zu etablie- ren.

So wünsche ich mir das für mein Enkelkind, aber nicht nur für ihn, sondern für alle Menschen.

Ich glaube, die Kirche bietet immer noch Räume, in denen diese Vision gelebt werden kann. Wo sonst in unserer Gesellschaft kommen Menschen zusammen mit so unter-

schiedlichen Herkünften, Traditionen, Lebensentwürfen. Das erzeugt Reibung. Das macht es spannend. Wir feiern gemeinsam Gottesdienste. Mit einer gemeinsamen Perspektive: Gott ist für die Menschen da und hilft, Recht und Gerechtigkeit zu leben. Das ist ein Prozess. Das ist niemals fertig. Das ist lebendig, herausfordernd und schwer. Manchmal gelingt es ein bisschen, wenn Menschen versuchsweise die Meinung eines Andersdenkenden anprobieren wie ein fremdes Kleidungsstück und dabei feststellen: Das steht mir ganz gut. Hätte ich schon früher anziehen können.

Der Verein „Mehr Demokratie e.V.“ nutzt das Gesprächsformat „Sprechen und Zuhören“. Vier Menschen kommen zusammen. Einer vertritt seinen Standpunkt. Drei hören zu. Jeweils vier Minuten darf einer reden, dann wird gewechselt. Zuhören wird geübt, ohne Zwischenrufe, ohne Kommentar. Das hilft, einander zu verstehen. Ohne mein Engagement haben Recht und Gerechtigkeit keine Chance. Mit meinem Engagement ist alles möglich. Ich wünsche Ihnen und euch einen wunderbaren Sommer!

Herzliche Grüße, Pastor Karl-Martin Harms

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