Unter die Haut

Foto: privat

Liebe Leser*Innen,

vielleicht merken Sie beim Durchblättern dieser Kurzausgabe unseres „mittendrin“, dass viele Überschriften sich auch singen lassen. Ich singe leidenschaftlich gern: unter der Dusche, im Auto, in der Kirche oder im Wohnzimmer beim Staubsaugen. Lieder lösen etwas in mir aus. Gefühle.
Stimmungen. Sehnsucht. Musik berührt ganz unmittelbar. Sie trifft oft mitten ins Herz. Ich würde sogar behaupten: Ein Lied hören und dabei nichts fühlen ist unmöglich.

„Das geht mir unter die Haut wie ein warmer Sommerwind. Ich habe es erst nicht geglaubt, dass ich hier nicht alleine bin.“ *Man sang und singt bis heute, wenn einem das Herz übergeht. Die meisten Lieder waren und sind immer Liebeslieder: von erfüllter oder verlorener Liebe, von verschmähter Liebe oder käuflicher Liebe. Für mich gehören auch alle geistlichen Lieder und Kirchenlieder dazu. Denn da geht es um die Liebe Gottes, seine zu uns und unsere zu ihm.

Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Auch diese wohl bekannten Worte aus dem 23. Psalm gehören zu einem Lied. Die Psalmen sind im Grunde gesungene Gebete, auch wenn wir sie heute eher sprechen. Der, der das geschrieben hat, kennt auch die schweren Momente des Lebens und setzt ihnen Hoffnungsbilder
entgegen. Er singt Lieder gegen die Angst, gegen das finstere Tal.

Wir leben auch in Zeiten, die uns manchmal Angst machen. Ein Virus, dass die Welt weiterhin in Atem hält. Menschen, die um ihr Leben fürchten müssen und keine Heimat finden. Kinder, die immer noch so aufwachsen, dass sie wegen ihrer Hautfarbe und Herkunft ausgegrenzt
werden.

„Das geht mir unter die Haut wie ein warmer Sommerwind. Ich habe es erst nicht geglaubt, dass ich hier nicht alleine bin. Das geht mir unter die Haut, dass wir verbunden sind. Es zieht mich immer weiter geradeaus bis ich zu Hause bin.“

Singen befreit mich, wenn mich der Alltag zu erdrücken droht. Singen wärmt mich, wenn die Welt mir kalt und trostlos erscheint. Ich will nicht die Augen verschließen vor dem, was in der Welt geschieht, nein, ich will mich aufrecht hinstellen und singen, denn Singen ist Protest – Zeugnis von einer besseren Welt. Gegen Zweifel, Angst und Hoffnungslosigkeit singen wir das Lob der Liebe Gottes, die uns Kraft gibt zu handeln. AMEN

Pn. Jessica Jähnert-Müller

* Tim Bendzko, Unter die Haut

 

 

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