Auf ein Wort

„Mal ehrlich…“

…wenn jemand ein Gespräch so anfängt, dann weiß ich, jetzt geht es um etwas Wichtiges, Klartext ist angesagt und nur die Wahrheit zählt.

Aber was ist Wahrheit? So mancher schafft sich heutzutage seine eigenen „Wahrheiten“. „Postfaktisch“ (Wort des Jahres 2016) wird unabhängig von Wahrheitsgehalt oder Realität einfach etwas behauptet, was der eigenen Meinung entspricht und bei der Mehrheit gut ankommt. In der Politik werden so die Massen mobilisiert, und viele Staatspräsidenten stellen Behauptungen auf, die durch nichts zu beweisen oder sogar nachweislich falsch sind: Klimawandel - eine Erfindung! Flüchtlinge - alles Terroristen! Kritische Berichte - alles Fake News! Die Pressefreiheit wird eingeschränkt oder Journalisten werden ins Gefängnis gesteckt. Auf der Straße nehmen die Verunglimpfungen als „Lügenpresse“ und die Attacken gegen Reporter zu. Die Wahrheit bleibt auf der Strecke….

Aber wie sieht es bei uns selber aus? Mal ehrlich und Hand auf´s Herz: Wo nehmen wir es mit der Wahrheit nicht so genau und wann muss aus Erklärungs-Not auch schon mal eine Not-Lüge herhalten?

Auf der Konfirmandenfreizeit haben wir gerade auf der Freizeit über das 8. Gebot „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden“ gesprochen. Schlimm zu hören, wie auch im persönlichen Bereich durch anonyme Behauptungen auf Facebook oder anderen Plattformen Jugendliche gemobbt werden und welche Folgen das hat.

Aber geht es nicht auch anders? Ohne Not- und andere Lügen uns selbst und anderen gegenüber? Einfach sich selbst und anderen die Wahrheit sagen?

Dazu macht uns Jesus ausdrücklich Mut: Er ist der Weg zu Gott, unserem Vater; die Wahrheit seiner Botschaft von der Liebe und Vergebung Gottes macht uns frei und lässt uns das wahre Leben bei Gott und im Zusammenleben mit anderen finden (Joh.Ev. 14,6).

Die Wahrheit ist schon eine Zumutung, denn sie verlangt von mir und dem anderen den offenen Blick in den Spiegel der Realität. Entscheidend ist dann der Umgang mit dieser Wahrheit: Sie dem anderen nicht um die Ohren hauen nach dem Motto, „was ich dir immer schon mal sagen wollte!“ Aber die Wahrheit mit der Liebe zum anderen verbinden. „Weil du mir wichtig und lieb bist, mute ich Dir die Wahrheit zu. Und ich stehe trotz allem fest zu Dir!“

Warum es nicht einmal ausprobieren? Wie wär´s mal mit einer „Wahrheits-Kur“?

7 Wochen in der Fastenzeit.

7 Wochen ohne Lügen!

Dazu lädt uns die diesjährige Fastenaktion ein. Wenn wir einander ohne Lügen, aber mit der ganzen Wahrheit liebevoll begegnen, dann haben wir die Chance, unsere Welt Stück für Stück zu einem lebenswerten Ort für alle Menschen zu machen.

Ihr Pastor Jens Seliger

Hier können Sie unseren aktuellen Gemeindebrief als pdf anschauen bzw. herunterladen: