Auf ein Wort

Händewaschen nicht vergessen. Natürlich mit Seife und mindestens 20 Sekunden lang. Wir haben das verinnerlicht in den letzten Wochen. Mehr noch als wir es doch schon seit Jahren wissen sollten. Die Hände stehen im Mittelpunkt. Keine Hand mehr geben zur Begrüßung und zur Verabschiedung. Zucken Sie auch immer noch unwillkürlich, weil Sie es gern tun würden und dann merken „Ach nein, soll man ja nicht mehr“?

Hände. Schauen Sie sich Ihre Hände einmal an. Komplizierte Gebilde sind das. Sie bestehen aus vielen Knochen, Muskeln, Nerven und Sehnen. Was sie alles können, merke ich erst, wenn sie nicht so funktionieren, wie sie sollen. Wenn sie verletzt sind, oder steif vor Kälte. Die Handinnenflächen sind durchzogen von feinen Linien. Manch einer meint darin die Zukunft zu lesen. Auch die Spitzen der Finger und Daumen sind von Linien gezeichnet. Mit ihnen kann man mich überall auf der Welt identifizieren. Kein Mensch auf dieser Welt hat denselben Fingerabdruck wie ich. Meine Hände ermöglichen es mir die Welt zu begreifen. Kleine Kinder nehmen alles in die Hand (und in den Mund) und auch ich ertappe mich dabei, wie ich Dinge gern berühre. Ihre Beschaffenheit ertaste. Fühlt es sich hart oder weich an, samtig, oder rau? Meine Hände machen es mir auch möglich, fein und präzise zu arbeiten. Ich kann schreiben oder stricken – und mit etwas mehr Übung auch Klavier spielen.

Wir brauchen unsere Hände täglich. Und auch eine Kirchengemeinde braucht Hände. Viele Hände. Hände, die mit anpacken, wenn wir Gottesdienste draußen feiern, oder das Zehntfest mitgestalten. Hände, die Karten und Briefe verteilen, die Kaffee kochen und mit Kindern spielen. Hände, die sich tröstend auf Arme legen, oder motivierend auf Schultern klopfen. Hände, die beten. Für dich. Für mich. Für uns als Gemeinschaft.

Wir haben nicht alles in den Händen. Aber doch eine ganze Menge. Bleiben Sie behütet und zeigen Sie mir gern Ihre Hände. Nur so funktioniert Kirche.

Ihre Pastorin Jessica Jähnert-Müller