Man wird doch wohl noch vor sich hin leiden dürfen!

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Wenn Sie dieses Heft in den Händen halten, dann befinden wir uns mitten in der Passionszeit. Die Farbe dazu: violett. Sie steht für Verzicht und Buße. Das ist nicht wirklich en vogue, wie man so schön sagt. Es ist nicht zeitgemäß. Wer möchte sich damit schon gern auseinander-setzen? Passion heißt Leiden. Wir denken an Jesu letzten Weg nach Jerusalem. An all das, was er erlebt hat. Die vielen Gespräche auf der Reise, das letzte Mal gemeinsam mit den Freunden am Abend essen, Brot und Wein teilen. Dann der bittere Verrat durch einen engen Vertrauten und schließlich auch der Tod am Kreuz

Man wird doch wohl noch vor sich hin leiden dürfen!


Über ein Jahr nun schon bestimmt Corona meinen Alltag – und Ihren sicher auch. An manches habe ich mich gewöhnt: Maske tragen, Abstand halten, Kontakte einschränken. Wieder anderes lässt mich immer wieder seufzen und liegt schwer auf den Schultern. Nein, ich möchte die Passionsgeschichte nicht mit unserer „Coronageschichte“ vergleichen, denn dieser Vergleich hinkt natürlich von vorne bis hinten.

Und dennoch überkommt mich manchmal das Gefühl, dass wir nun doch schon sehr lange durch eine entbehrungsreiche Zeit
gehen. Und wenn ich dieser Zeit eine Farbe geben müsste, dann wäre es: violett.


Wann haben wir das letzte Mal Brot und Wein geteilt? Wann das letzte Mal dicht beieinandergesessen und uns Geschichten erzählt, die unsere Herzen bewegen?


Ich vermisse das schmerzlich.


Man wird doch wohl noch vor sich hin leiden dürfen!


Passion heißt Leiden. Doch es heißt auch Leidenschaft. Mögen die letzten Monate violett getragen haben, wir als Kirchengemeinde waren in all dem Leiden mit Leidenschaft unterwegs und haben uns den Herausforderungen gestellt. Der Stall vor der Kirche wurde zu einem Ort für „Hoff-nung zum Mitnehmen“, in der Kirche erklang jedes Wochenende „Hoffnung zum Hören“. Unsere Konfirmanden haben den Altarraum mit ihren Gottesbildern geschmückt und die Liebe hatte Einzug gehalten.


Wir bleiben auf Abstand miteinander unterwegs. Verbunden durch Gott, der uns ein lebendiges Herz voller Leidenschaft geschenkt hat und in dem Vertrauen darauf, dass ein neuer Morgen anbrechen wird.

Bleiben Sie behütet

Ihre Pastorin
Jessica
Jähnert-Müller

 

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