Osterfreude

Dass die Adventszeit etwa vier Wochen dauert, weiß jedes Kind. Gut ablesbar am Adventskranz, der jede Woche um eine Kerze hel- ler wird. Auch von den „7 Wochen ohne“, den sieben Wochen der Passions- und Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Os- tersonntag haben sicher- lich Viele gehört.

Was eher unbekannt ist: Auch die Zeit nach Ostern ist im Kirchenkalender mit einer Bezeichnung versehen worden.
Und zwar werden die 50 Tage zwischen Ostern und Pfings- ten als „österliche Freudenzeit“ bezeich- net. Allein schon die Bezeichnungen der Sonntage in diesen Wochen bringen diese Freude zum Ausdruck: Jubilate („jubelt“), Kantate („singt“). Mein persönlicher Lieb- lingsname ist übrigens gleich der erste Sonntag nach Ostern „Quasimodogeniti“. Das heißt übersetzt: „Wie die neugebore- nen Kinder“. So dürfen wir Christinnen und Christen uns fühlen. „Wie neu gebo- ren.“ Frisch, fromm, fröhlich, frei.

Doch das mit dem unbeschwerten Fröh- lich-Sein will zumindest uns Erwachsenen nach über zwei Jahren „Corona“ nur schwer über die Lippen kommen. Vieles ist leider auch in der „österlichen Freu- denzeit“ 2022 nicht so „unbeschwert“ und „fröhlich“, wie wir uns das wünschen. In den Tagen, in denen ich diesen Text schreibe, steigen die Corona-Inzidenzzahlen immer noch von ei- nem Höchststand zum nächsten. An der russisch- ukrainischen Grenze wird ordentlich mit den Säbeln gerasselt. Und beim Blick auf die letzte Erdgas- und Stromabrechnung will auch keine Freude aufkommen.

Doch ich glaube, auch in schwierigen Zeiten kann man „Unbeschwertheit“ üben. Kürzlich las ich in einem Interview mit dem jungen Autor Leif Randt einen Satz, den ich mir gerne zu Herzen nehmen würde. Der Autor sagte da:

„Im Grunde besteht meine Arbeit darin zu überlegen, was mir als Nächstes am meisten Freude machen könnte.“

Ich finde, das ist eine bewundernswerte Lebenseinstellung. Lebensfreude und Un- beschwertheit fallen nicht einfach vom Himmel. Doch man kann sie „inszenie- ren“. Durch gezieltes Überlegen und Pla- nen kann ich mir Freiräume schaffen, in denen sich viel Fröhlichkeit und Freude ereignen können. Im Grunde machen wir in den Gottesdiensten zwischen Ostern und Pfingsten nichts anderes. Wir inszenieren die Osterfreude.

Dass Sie sich „wie neugeboren“ fühlen, wünscht Ihnen

Ihr Pastor Sebastian Müller von der Christophoruskirche Altwarmbüchen

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