Ev.-luth. St.-Nikolai-Kirchengemeinde Kirchhorst

Auf ein Wort

Langsam werden sie flügge...

Gerade habe ich 36 Jungen und Mädchen konfirmiert. Schon nach einem Jahr der Begegnung im Konfirmandenunterricht kann ich die Veränderungen wahrnehmen. Rein äußerlich haben viele einen Schuss in die Höhe gemacht und sehen im Anzug oder Kleid schon wirklich fast erwachsen aus. Aus dem kindlich schüchternen Wesen ist jetzt schon ein junger Mensch mit eigenen Vorstellungen geworden.

Bei den Konfirmationen treffe ich oft auch ältere Geschwister aus früheren Konfirmanden-Jahrgängen wieder.   Da stehen dann auf einmal ausgewachsene Männer mit Vollbart und hübsche junge Damen vor mir – oft so schnell gar nicht wiederzuerkennen für mich. Auf Nachfrage erzählen sie mir: „Ich mache gerade Abi.“ „Bin in der Ausbildung.“ „Habe mich gerade beworben.“ „Ich studiere.“ Oder auch „Ich gehe ein Jahr ins Ausland!“

Ich freue mich immer wieder, dass ich Jugendliche auf ihrem Weg zum Erwachsensein ein Stück weit begleiten und ihnen auch die Liebe und den Segen Gottes in ihrem Leben nahebringen konnte.

Als Vater freue ich mich daran, wie mein Sohn seinen eigenen Weg in einer Ausbildung vor Ort geht. Und wie meine Tochter gerade im Auslandspraktikum in Australien eine ganz andere Lebenswirklichkeit erlebt.

Kinder sind ein Geschenk Gottes, aber sie sind uns nur anvertraut – und das auf Zeit! Ist die Zeit dann reif, ist es gut, unsere Kinder gehen zu lassen.

Ein Stück mögen wir sie noch von ferne begleiten, aber dann gehen sie schnell ihre eigenen Wege, machen eigene Erfahrungen durch Erfolge oder Misserfolge und entwickeln daraus ganz eigene Kompetenzen.

Statt uns um unsere Kinder zu sorgen, können wir neu lernen zu vertrauen. Vertrauen darauf, dass wir ihnen alles zum Leben Notwendige mit auf den Weg gegeben haben. Dass sie ihre eigenen Gaben, Fähigkeiten und Kompetenzen mit der Zeit entwickeln werden. Und dass auch Gott seine Hand weiterhin schützend und segnend über unsere Kinder halten wird.

Nur wenn wir unsere Kinder gehen lassen, werden sie auch Freude am Wiederkommen haben!

Ihr Pastor Jens Seliger