Auf ein Wort

Sebastian Müller, Pastor in Christophorus in Altwarmbüchen

Weihnachten – eine Frage der Blickrichtung!

So langsam gehen wir über von der Herbst- und Erntezeit in die gemütliche Advents- und Weihnachtszeit. Diese Übergangszeit geht für viele einher mit einem Wechsel der eigenen Blickrichtung.

Einerseits ist jetzt noch Herbst. Offiziell ist Winterbeginn ja erst am 22. Dezember. Im Garten werden noch die späten Apfelsorten geerntet. Der Grünkohl muss erst noch den ersten Frost abbekommen. Andererseits stehen in unseren Supermärkten schon seit September Spekulatius, Lebkuchen und Schokoweihnachtsmänner. In unserer Gemeinde haben längst schon die Krippenspielproben begonnen, damit alle Texte bis zum Heiligabend sitzen.

Ich muss gestehen, ich brauche immer bis weit in den Dezember hinein, bis ich den Blickwechsel von der Herbst- zur Adventszeit vollzogen habe. Die Blickrichtung ist aber nicht unbedeutend. Dazu eine kleine Anekdote:

Zwei Mönche fahren Zug. Der ältere raucht eine Pfeife und betet. Der jüngere Mönch ist empört: „Aber Bruder, wir dürfen doch beim Beten nicht rauchen.“ „Kein Problem“, erwidert dieser gelassen, „ich habe die ausdrückliche Erlaubnis des Bischofs.“

Einige Wochen später sehen sich die beiden wieder. Der junge Mönch ist verärgert: „Was hast du mir da bloß erzählt? Ich habe unseren Bischof gefragt, ob ich beim Beten rauchen darf, und er hat es mir strikt verboten.“ Der Ältere lächelt: „Ja, ich habe ihn natürlich nicht gefragt, ob ich beim Beten rauchen darf, sondern ob ich beim Rauchen beten darf.“

Alles also eine Frage der Blickrichtung!

Die vor uns liegende Advents- und Weihnachtszeit lädt uns dazu ein, froh gestimmt und mutig in die Zukunft zu blicken. Und das, obwohl auch 2019 nicht ohne traurige Bilder von Terrorakten, Krieg und Elend in vielen Teilen der Welt ausgekommen ist.

Jetzt steht das Christfest vor der Tür und wieder kommt es auf die Blickrichtung an: Die einen sehen da im Stall von Bethlehem ein wehrloses Baby in einer Krippe. Ganz hilflos, ganz schwach. Die weihnachtliche Blickrichtung ist aber eine andere. Sie erkennt in diesem Kind nicht etwas Schwaches oder Kümmerliches, sondern den starken Fingerzeig Gottes auf den weihnachtlichen Frieden, der ausstrahlen wird, in unsere Welt.

Ich wünsche uns in diesem Sinne in dieser Adventszeit viele Gelegenheiten, die Blickrichtung zu wechseln. Ich wünsche uns viele Gelegenheiten für mutige und hoffnungsvolle Blicke.

Ihr Pastor Sebastian Müller

 

 

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